Was ist "Rheuma" und "Rheumatologie"?

  • Rheuma bezeichnet vor allem Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat. Der Name kommt von Altgriechischen "rheo" (= ich fliesse) und beschreibt den fließenden Schmerzcharakter. "Rheuma" ist eine Sammelbezeichnung für etwa 200-400 sehr unterschiedliche Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke, Muskel, Sehnen) und des Immunsystems. Konkreter spricht man von "Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises".
  • Junge Menschen sind oft schwerer betroffen als Ältere! Rheuma ist keineswegs nur eine Erkrankung älterer Menschen. Auch wenn diese oft betroffen sind, so kann schweres Rheuma bereits bei jungen Erwachsenen und sogar Kindern auftreten. Die Kinderrheumatologie ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Rheumatologie, da ohne Behandlung die Langzeitfolgen oft sehr schwer sind.
  • Die Rheumatologie ist somit ein breites medizinisches Feld, das auch Bereiche der Kinderheilkunde, der Osteologie, der Immunologie (Kollagenosen, Vasculitiden), der Physikalischen Medizin und der Rheuma-Orthopädie umfasst. Gerade bei den entzündlichen Formen von "Rheuma" ist die frühe Diagnose und Therapie besonders wichtig. Dies verhindert in den meisten Fällen ein Fortschreiten der Erkrankung und die damit verbundenen Schäden an Gelenken und inneren Organen sowie den Funktionsverlust und die erhöhte Sterblichkeit.

Wie häufig ist "Rheuma" in Österreich?

  • Der unspezifische Rückenschmerz betrifft im Laufe eines Jahres bei den 20-69-Jährigen 58-60% der Männer und 62% der Frauen (Gesundheitssurvey Deutschland 1998), etwa 10% dieser Fälle sind als schwer anzusehen.
  • Beim nicht-entzündlichen Rheuma sind weiters die Arthrosen von großer Bedeutung: In jüngeren Altersgruppen kommt es zu einer vermehrten Häufigkeit von posttraumatischen Arthrosen, ab dem 55. Lebensjahr nimmt die klinische und radiologische Prävalenz der Arthrosen exponentiell zu.
    • Symptomatische Arthrosen haben in Österreich 2,11% der Bevölkerung (Siegmeth W, Wien), Hüftarthrosen 0,7 - 4,4%.
  • Während das nicht-entzündlich Rheuma fast jeden 2. betrifft, gibt es für die chronisch-entzündlich rheumatischen Erkrankungen folgende Angaben:
    • Die axialen Spondyloarthritiden betreffen in Mitteleuropa etwa 1% der Bevölkerung (Zink A, Berlin).
    • Die rheumatoide Arthritis betrifft weltweit 0,4 - 2%, in Österreich 0,62% der Bevölkerung (Siegmeth W, Wien).
    • Die Prävalenz der Gicht liegt in Europa bei 0,3%.
  • Dazu kommen die deutlich selteneren Kollagenosen. Die sysetmische Sklerose betrifft in USA 0,16%, das Sjögren-Syndrom 0,13-1%, der Systemische Lupus 0,05 - 0,1%

Wie relevant ist "Rheuma" für das österreichische Gesundheitssystem?

Aus dem statistischen Handbuch der österreichischen Sozialversicherungen - Stand Dezember 2009:
  • 2 Millionen Österreicher leiden jährlich zumindest über kurze Zeit an Schmerzen am Bewegungsapparat! Der größere Teil davon leidet an chronischen Schmerzen. Die Kosten besonders des chronischen unspezifischen Kreuzschmerzes für die Allgemeinheit sind eklatant. Deshalb ist der Prävention besonders im Bereich der degenerativen Gelenks- und Wirbelsäulenleiden in Zukunft ein erhöhtes Augenmerk zu widmen: Eigeninitiativen (Korrektur von Risikofaktoren wie Bewegungsmangel oder Übergewicht) sind hier besonders gefragt.
  • Die Gesamtkosten, die pro Patient mit einer rheumatologischen Erkrankung erwachsen, sind je nach Art der Erkrankung, ihrem Schweregrad, dem Beruf des Patienten und seinem sozialen Umfeld sehr unterschiedlich. Zum Bespiel liegen in Österreich die jährlichen direkten Kosten bei Patienten mit fortgeschrittener Arthrose bei 3.000.- €, bei rheumatoider Arthritis bei € 7.200.- (Wagner E, Baden - Daten auf Preisindex 2009 bezogen). Dem sind die indirekten Kosten hinzuzufügen (Krankenstände, Frühpensionierung,...).
  • Krankenstände: Die Krankheiten des Bewegungsapparates sind die häufigste Ursache von Krankenständen bei den Arbeitern und Angestellten. Im Jahre 2008 waren 8.658.207 Krankenstandstage allein durch Krankheiten des Bewegungsapparates bedingt. Insgesamt waren 2008 bei den Sozialversicherungen 38.762.041 Krankenstandstage gemeldet.
  • Stationäre Aufnahmen: Als Grund für eine stationäre Aufnahme liegen die Krankheiten des Bewegungsapparates im Jahr 2008 mit 255.893 Aufenthalten weit vor Krankheiten des Magen-Darm-Traktes mit 153.117 Aufenthalten von insgesamt 2.497.969. Bei den Spitalstagen liegen die Krankheiten des Bewegungsapparates im Jahr 2008 mit 1.856.046 Tagen von insgesamt 16.501.373 Tagen nur knapp hinter den psychiatrischen Erkrankungen zurück (1.866.827 Tage).
  • Bei den Pensionen (einschliesslich der vorzeitigen Alterspensionen) wegen geminderter Arbeitsfähigkeit bzw. Erwerbsunfähigkeit liegen die Krankheiten des Bewegungsapparates bei den Unselbständigen mit 127.775 von 366.332 insgesamt im Jahr 2008 weit voran. Nur bei den neuen Pensionen wegen geminderter Arbeitsfähigkeit bzw. Erwerbsunfähigkeit liegen die Erkrankungen des Bewegungsapparates bei den Unselbständig Erwerbstätigen mit 7.014 hinter den psychiatrischen Erkrankungen mit 8.458, während bei den Selbständig Erwerbstätigen weiterhin mit 524 deutlich weniger wegen psychiatrischer Erkrankungen als 2.541 wegen Erkrankungen des Bewegungsapparates in Pension gingen.

Allgemeine Patienteninformationen zu Rheuma

  • „Ernährungs- und Lebensstilempfehlungen bei Gicht und Hyperurikämie“ - Empfehlungen des ÖGR-Arbeitskreis für Arthrose und Kristallarthropathien (J. Sautner, G. Eberl, G. Eichbauer-Sturm, J. Gruber, R. Puchner, P. Spellitz, C. Strehblow, J. Zwerina). © 2014 Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation. Drucklegung mit freundlicher Unterstützung der Firma Menarini-Pharma - PDF
  • Rheuma-Informationsbrochure - PDF

Patientenorientierte Rheumabücher

  • Patientenorientierte Rheumabücher, bei denen ÖGR-Mitglieder mitgearbeitet haben:
    • Diagnose Rheuma: Lebensqualität mit einer entzündlichen Gelenkerkrankung, D. Loisl, R. Puchner. Springer-Verlag 2008, 2. Auflage. 151 Seiten, ISBN 321175637X, 9783211756379
    • Morbus Bechterew: Beratung- Betreuung- Behandlung, A. Falkenbach, Springer-Verlag 2004. 913 Seiten, ISBN 321100808X, 9783211008089
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